Pirmin Bischof
Ihr Ständerat.

Neun Birnen, ein Schloss und (k)eine Insel

882‘000 Terajoules an Energie verbraucht die Schweiz pro Jahr. Konkret: Jede/r von uns verbraucht, und zwar jeden Tag, etwa 10 Liter Erdöl, 1 Kubikmeter Gas und 21,5 Kilowattstunden Strom. Der Stromverbrauch bedeutet, dass 9 Glühbirnen zu 100 Watt ständig brennen. Die Energiestrategie 2050 des Bundesrates will diesen Verbrauch senken, „säubern“ und sicher machen. Er setzt auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

 

Energiesparen? Die beste Kilowattstunde ist die, die nicht gebraucht wird.
Das Positive: Der Endenergieverbrauch in der Schweiz pro Kopf der Bevölkerung ist 2000 – 2012 tatsächlich um 7% gesunken. Gerade unsere Industrie verdient hier ein Kränzchen: Obwohl die Produktion in dieser Zeit um 27.6 % gestiegen ist, ist gleichzeitig der Energieverbrauch um 2% gesunken. Der Haken: Trotzdem ist gleichzeitig der Stromverbrauch um 12 % gestiegen und steigt weiter. Gerade die Energiewende braucht Strom.                                                                                             

Das Wasserschloss, ein Glücksfall: Heute schon decken wir fast 60 % unseres Stromverbrauches (also fast 6 der genannten 9 Glühbirnen) mit erneuerbarer Energie. Genauer: mit Wasserkraft. Pumpspeicherwerke können als riesige „Batterien“ überschüssigen Strom speichern und die unregelmässige Stromproduktion aus Wind und Sonne ausgleichen. Der Haken: Tiefe Strompreise und hohe Wasserzinsen der Alpenkantone machen die Wasserkraft zunehmend unrentabel und gefährden langfristig die dringend nötigen Investitionen. 2015 kommt sogar eine weitere Erhöhung. Bereits heute machen die Wasserzinsen teilweise ein Viertel des Strompreises aus. Müsste hier nicht eher eine Senkung ins Auge gefasst werden, damit das Wasserschloss nicht zur Wasserruine verkommt?

Sicherheit? Zurück von einer Delegationsreise in die USA habe ich wieder einmal erlebt, was Versorgungssicherheit heisst. Ein Manager der Weltbank, der in der Nähe von Washington wohnt, sagte uns: „Stromausfälle sind hier an der Tagesordnung.“ Nach dem Orkan Isabel sassen 45 Millionen Amerikaner im Dunkeln. In der Schweiz wäre bei einem landesweiten Stromausfall von nur einer halben Stunde mit Schäden von über 250 Millionen Franken zu rechnen. Wie „produziert“ man hier Sicherheit? Die Netze garantieren das! Je dezentraler aber die Stromproduktion wird, desto mehr müssen diese massiv ausgebaut werden. Laut Bundesrat brauchen wir allein im Übertragungsnetz rund 1'000 neue Kilometer bis ins Jahr 2020. Nötig sind zudem Ausbauten auf allen Verteilnetzebenen sowie Netzoptimierungen. Der Haken: Ein Verfahrensdschungel und Beschwerden von allen Seiten bewirken, dass etwa der Bau einer Hochspannungsleitung heute 9 – 12 Jahre dauert. Hier hat die Politik zu prüfen, ob nicht Beschwerden ans Bundesgericht auf Fragen von grundsätzlicher Bedeutung beschränkt und die aufwändigen Plangenehmigungsverfahren verschlankt werden müssen. 

Und unsere Unabhängigkeit? Ob es uns passt oder nicht: Die Schweiz seit Jahrzenten Teil des europäischen Strommarktes. Im Klartext: Praktisch kein Land, auch kein EU-Land, ist dermassen in den europäischen Strommarkt eingebunden wie die Schweiz. Importe und Exporte von Strom sind praktisch gleich hoch wie der gesamte Inlandverbrauch! Das Resultat: Wir alle profitieren von einer günstigen und zuverlässigen Stromversorgung. Deshalb brauchen wir ein Stromabkommen mit der EU. Dies sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die sich nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar in die Hängematte legen. Die heute günstige und sichere Stromversorgung schaffen wir nicht alleine. Ein Blick auf die Landkarte bestätigt: Nein, die Schweiz ist keine Insel, auch keine Strominsel.

 

Gast-Kolumne in der Mittellandzeitung vom 09.05.2014

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